Poseidon und Amphitrite

Poseidon und Amphitrite

Poseidon gehört zu den drei mächtigsten Gestalten des griechischen Kosmos. Als Sohn von Kronos und Rhea teilte er sich nach dem Sturz der Titanen die Welt mit seinen Brüdern Zeus und Hades. Das Los wies ihm das Meer zu, während Zeus den Himmel und Hades die Unterwelt erhielt. Sein Reich ist damit kein Randbereich, sondern eine der drei tragenden Sphären der Welt.

Sein Attribut ist der Dreizack, den ihm die Kyklopen schmiedeten. Mit ihm spaltet er Felsen, ruft Quellen hervor und lässt die Erde beben. Die Griechen nannten ihn deshalb Enosichthon, den Erderschütterer, denn sie schrieben ihm nicht allein die Stürme des Meeres zu, sondern auch die Erdbeben. Poseidon galt als unberechenbar und leicht erzürnt. Er konnte Seefahrern günstigen Wind schenken oder sie im nächsten Augenblick mit haushohen Wellen verschlingen. Eng verbunden ist er außerdem mit dem Pferd, das er der Überlieferung nach erschuf, und mit dem Stier.

Amphitrite steht ihm als Königin des Meeres zur Seite. Sie ist eine der Nereiden, Tochter des Meergreises Nereus und der Doris, und verkörpert das Wasser in seiner ruhigen, gestaltenden Form. Wo Poseidon die rohe Gewalt der See ist, ist Amphitrite ihre geordnete, würdevolle Tiefe.

Die Geschichte ihrer Verbindung wird zart erzählt. Amphitrite floh vor Poseidons Werben bis in die Fernen des Atlasgebirges. Poseidon sandte einen Delfin aus, der sie fand und mit sanften Worten überzeugte, an seine Seite zurückzukehren. Aus Dankbarkeit setzte Poseidon den Delfin als Sternbild an den Himmel. Aus dieser Verbindung ging Triton hervor, halb Mensch, halb Fisch, der mit seinem Muschelhorn die Wogen befehligte.

Auf einer sinnbildlichen Ebene gilt das Meer seit jeher als Bild für das Unbewusste und für die Welt der Gefühle. Poseidon wird dabei häufig als die ungezähmte emotionale Kraft gedeutet, die aufwühlen und zerstören, aber auch tragen und bewegen kann. Amphitrite wird das ordnende, besänftigende Prinzip zugeschrieben, das dieser Kraft Form und Richtung gibt. Als Paar lassen sich die beiden als Sinnbild für das Gleichgewicht zwischen Sturm und Stille lesen, zwischen dem, was uns überwältigt, und dem, was uns hält.

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